Speicher, Integration und KI bei Microsoft: Preise von SaaS und PaaS im Vergleich

Von Tobias LehmeierVeröffentlicht am Stand der Fakten:

Ich arbeite seit mehr als 25 Jahren im CRM-Umfeld, mit Microsoft-Produkten seit Microsoft CRM 1.2 (erschienen 2003). Heute begleite ich Projekte zur Cloud-Transformation. Microsoft verkauft seine Cloud unter anderem auf zwei Arten: als fertige Anwendung (SaaS) und als Plattform zum Selbstbauen (PaaS). Dieser Beitrag vergleicht die Listenpreise beider Arten für Speicher, Integration und KI und nennt die Lizenzregeln, die dabei gelten.

Lizenzen und Kapazität: was Microsoft bereits durchsetzt

Meine Einschätzung ist, dass Microsoft Lizenzierung und Kapazität künftig deutlich konsequenter durchsetzt. Sie stützt sich auf diese veröffentlichten Maßnahmen:

Maßnahmen, mit denen Microsoft Lizenzen und Kapazität durchsetzt
BereichWas Microsoft eingeführt oder angekündigt hat
Dataverse-SpeicherPrüfung ab 9. November 2026, Einführung bis 4. Dezember 2026. Über 100 % effektivem Verbrauch keine neuen Umgebungen, kein Kopieren, kein Wiederherstellen; 30 Tage später öffnen nur noch Administratoren die betroffenen Sandboxes (Fristen und Checkliste)
Premium-Flows ohne passende LizenzHinweis an die Administratoren; nach 90 Tagen sind Erstellen, Kopieren und Wiederherstellen von Umgebungen gesperrt, nach insgesamt 180 Tagen sind weitere Maßnahmen bis zum Aussetzen von Flows möglich
Apps in verwalteten Umgebungenseit Juni 2026 Hinweise in der App; ab Februar 2027 öffnet sich eine App ohne passende Lizenz nicht mehr
Copilot Studiobei 125 % der vorausbezahlten Kapazität deaktiviert Microsoft eigene Agents

Zu den verwalteten Umgebungen schreibt Microsoft, die Anforderung sei nicht neu; neu sind die Hinweise in der App seit Juni 2026 und die Sperre ab Februar 2027. Berichte zu Kapazität, Lizenzverbrauch und Flows ohne passende Lizenz stehen im Power Platform Admin Center unter Lizenzierung. Planen Sie Lizenzen und Kapazität deshalb schon beim Entwurf einer Lösung.

SaaS und PaaS: wofür Sie bezahlen

Bei SaaS wie Dynamics 365, Power Platform und Microsoft 365 Copilot betreibt Microsoft die Anwendung: Updates, Skalierung, Netzwerkschutz, automatische Sicherungen, Produktivumgebungen verteilt über mehrere Verfügbarkeitszonen einer Region. Sie zahlen je Benutzer und je Kapazität. Bei PaaS wie Azure Storage, Logic Apps, Azure Functions, Azure SQL und Microsoft Foundry stellt Microsoft die Plattform bereit, und Sie zahlen nach Verbrauch: je Gigabyte, je Ausführung, je Token. Der Preis je Einheit liegt oft um Größenordnungen niedriger. Dafür verantworten Sie Entwurf, Betrieb, Überwachung und die Sicherheitskonfiguration der Anwendung. Microsoft beschreibt diese Aufteilung im Modell der geteilten Verantwortung; Daten, Einstellungen und Identitäten bleiben in beiden Fällen bei Ihnen.

Funktional bieten einige PaaS-Dienste mehr. Logic Apps tauscht über ein Integrationskonto Geschäftsnachrichten nach X12, EDIFACT, AS2 und RosettaNet aus. Azure Functions führt Code in den gängigen Sprachen aus, über eigene Handler auch in jeder anderen Sprache, die HTTP beherrscht. In Azure SQL lesen und schreiben Sie mit SQL; der SQL-Endpunkt von Dataverse liest nur. Microsoft Foundry bietet Modelle unter anderem von OpenAI, Anthropic, Meta, Mistral und DeepSeek und erlaubt bei einem Teil davon das Nachtrainieren mit eigenen Daten (Fine-Tuning).

Kapazität: Dataverse oder Blob Storage

Dataverse rechnet Speicher in drei Arten ab: Datenbank, Datei und Protokoll. Was über die in Ihren Lizenzen enthaltene Kapazität hinausgeht, kaufen Sie zu. Die Datenbank kostet laut deutscher Preisseite 34,70 € je GB und Monat. Für Datei und Protokoll nennt die deutsche Seite keinen Preis. Aus den US-Listenpreisen von 2 und 10 US-Dollar im Verhältnis der Datenbankpreise (34,70 € zu 40 US-Dollar) abgeleitet, sind es 1,74 € und 8,68 €. Azure Blob Storage kostet in Germany West Central bei lokal redundanter Speicherung (LRS) je GB und Monat 0,0172 € in der Stufe Hot, 0,0088 € in Cool, 0,0040 € in Cold und 0,0016 € in Archive.

Rechnung: 100 GB, ein Jahr lang gespeichert (100 GB × Preis je GB und Monat × 12 Monate):

Kosten für 100 GB Speicher über 12 Monate
SpeicherPreis je GB und Monat100 GB für 12 Monate
Dataverse, Datenbank34,70 €41.640,00 €
Dataverse, Protokoll (abgeleitet)8,68 €10.416,00 €
Dataverse, Datei (abgeleitet)1,74 €2.088,00 €
Azure Blob Storage, Hot0,0172 €20,64 €
Azure Blob Storage, Cool0,0088 €10,56 €
Azure Blob Storage, Cold0,0040 €4,80 €
Azure Blob Storage, Archive0,0016 €1,92 €

Ein Gigabyte Dataverse-Datenbank kostet damit rund 2.000-mal so viel wie ein Gigabyte Blob Hot, ein Gigabyte Protokoll rund 1.000-mal so viel wie Blob Cool.

Blob Storage ersetzt Dataverse nicht. Blob Storage ist ein Objektspeicher und kennt keine Sicherheitsrollen, Geschäftseinheiten und Spaltensicherheit wie Dataverse, keine Formulare und Ansichten, und Inhalte finden Sie nur über einen zusätzlichen Index. Lese- und Schreibzugriffe kosten extra. Cool, Cold und Archive berechnen mindestens 30, 90 und 180 Tage, auch wenn Sie früher löschen, und Archive ist offline: Das Zurückholen dauert bis zu 15 Stunden. Archivwerkzeuge legen deshalb selten gebrauchte Daten günstig in Blob Storage ab und halten sie über einen Index auffindbar.

Integration: Logic Apps oder Power Automate und Power Apps

In der Power Platform zahlen Sie je Benutzer oder je Prozess. Power Automate Premium kostet 13,00 € je Benutzer und Monat, die Process-Lizenz 130,00 € im Monat; sie lizenziert einen Flow oder eine Flow-Gruppe mit bis zu 25 Flows für zusammen 250.000 Aktionen am Tag. Power Apps Premium kostet 17,30 € je Benutzer und Monat, ab 2.000 Lizenzen 10,40 €. Den Plan „Power Apps per app“ verkauft Microsoft seit Januar 2026 nicht mehr; nutzungsbasiert gibt es eine Pay-as-you-go-Abrechnung mit 10 US-Dollar je aktivem Benutzer, App und Monat.

Logic Apps kennt keine Benutzer. Im Verbrauchstarif (Consumption) zahlen Sie je Ausführung: 0,000125 US-Dollar je Aufruf eines Standard-Connectors, 0,001 US-Dollar je Enterprise-Connector und 0,000031 US-Dollar je integrierter Aktion; die ersten 4.000 integrierten Aktionen je Azure-Abonnement sind frei. Die Euro-Preisliste rundet diese Kleinstbeträge auf vier Nachkommastellen, deshalb rechne ich hier in US-Dollar.

Beispiel: ein nächtlicher Abgleich zwischen ERP und einer eigenen Dataverse-Tabelle, 500 Datensätze je Nacht, rund 2.000 Aktionen (500 Aufrufe des Dataverse-Connectors, 1.500 integrierte Aktionen). Der Dataverse-Connector ist in Power Automate ein Premium-Connector, in Logic Apps ein Standard-Connector. Gehört der Flow einem Dienstprinzipal (Microsoft empfiehlt das statt eines gemeinsam genutzten Dienstkontos) und arbeitet er außerhalb des Dynamics-365-Kontexts, braucht er eine Process-Lizenz oder einen benannten Benutzer mit Premium-Lizenz, auf dessen Tageskontingent von 40.000 Aktionen er dann läuft.

Kosten von Logic Apps Consumption und Power Automate für zwei Lastprofile
DienstNächtlicher Abgleich: 2.000 Aktionen je NachtDauerlast: 200.000 Aktionen je Tag
Logic Apps Consumption3,15 US-Dollar im Monat326,88 US-Dollar im Monat
Power Automate130,00 € (150 US-Dollar) mit Process-Lizenz oder 13,00 € über einen benannten Premium-Benutzer130,00 € (150 US-Dollar) mit einer Process-Lizenz

Rechnung nächtlicher Abgleich, 30 Nächte: 15.000 Connector-Aufrufe × 0,000125 = 1,88 US-Dollar; 45.000 integrierte Aktionen abzüglich 4.000 freier, also 41.000 × 0,000031 = 1,27 US-Dollar; zusammen 3,15 US-Dollar. Rechnung Dauerlast, angenommen ein Viertel Connector-Aufrufe: 6 Mio. Aktionen im Monat, 1,5 Mio. × 0,000125 = 187,50 US-Dollar plus (4,5 Mio. − 4.000) × 0,000031 = 139,38 US-Dollar.

Beim nächtlichen Abgleich kostet Logic Apps 3,15 US-Dollar im Monat; in Power Automate braucht derselbe Flow eine Process-Lizenz für 130,00 € oder einen benannten Premium-Benutzer für 13,00 €. Bei 200.000 Aktionen am Tag kostet die Process-Lizenz mit 150 US-Dollar weniger als die Hälfte von Logic Apps Consumption. Für Dauerlast bietet Logic Apps auch den Tarif „Standard“ mit festem Plan: Der kleinste, WS1 mit 1 vCPU und 3,5 GB Arbeitsspeicher, kostet rechnerisch 158,12 € im Monat (730 Stunden × (0,1732 € + 3,5 × 0,0124 €)); integrierte Aktionen sind darin frei, Connector-Aufrufe nicht. Power Automate mit Abrechnung je Lauf (Pay-as-you-go, Vorschau, 0,60 US-Dollar je Lauf) ergäbe beim nächtlichen Abgleich 18 US-Dollar im Monat.

Power Automate enthält den Designer für Fachanwender, die direkte Dataverse-Anbindung, Governance im Admin Center und die Microsoft-365-Connectoren. Eine Logic App braucht ein Azure-Abonnement, eine Bereitstellung über Ihre Pipeline und eigene Überwachung.

Multiplexing und zulässige Wege

Microsoft versteht unter Multiplexing Hard- oder Software, die Verbindungen bündelt, Informationen umleitet oder indirekt zugänglich macht oder die Zahl der Benutzer verringert, die ein Produkt direkt nutzen. Multiplexing verringert laut Microsoft die Zahl der erforderlichen Lizenzen nicht. Wer Daten eingibt, abfragt oder ansieht, muss passend lizenziert sein, direkt wie indirekt, und die Zahl der technischen Schichten dazwischen ändert daran nichts. So steht es im Power Platform Licensing Guide; für Dynamics 365 gilt dasselbe laut Microsofts Übersicht zum Multiplexing.

Ein Dienstkonto mit einer Premium-Lizenz, über das viele Personen einen Flow nutzen, ist laut Microsoft Multiplexing. Ein Portal oder eine Schnittstelle, über die Mitarbeitende Dynamics-365-Daten lesen, ersetzt deren Lizenz nicht. Auch wer Dynamics-365-Daten automatisiert nach Azure kopiert, braucht laut Microsoft für alle, die diese Daten dort nutzen, eine passende Lizenz.

Externe Nutzer, also weder Mitarbeitende noch regelmäßig für Sie tätige Auftragnehmer, bedienen Sie lizenzkonform über Power Pages: 173,30 € je Website und Monat für 100 angemeldete Benutzer, 65,00 € für 500 anonyme. Für Hintergrundverarbeitung ohne Benutzer, etwa aus Azure heraus, kennt Dataverse eigene Identitäten (Anwendungsbenutzer) mit einem eigenen Anfragekontingent je Mandant; Microsofts Beispiel ist ein Prozess, der Daten zwischen Datenbanken verschiebt. Sobald Menschen die Ergebnisse nutzen, gilt wieder die Lizenzregel.

Das ist keine Rechtsberatung. Lassen Sie Architekturen, in denen viele Personen über wenige Konten, Portale oder Schnittstellen arbeiten, vor dem Bau von Ihrem Microsoft-Ansprechpartner oder Lizenzpartner prüfen.

KI: Microsoft Foundry oder Copilot

Microsoft 365 Copilot kostet 26,00 € je Benutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung und setzt eine passende Microsoft-365-Lizenz voraus. Dafür arbeitet Copilot in Outlook, Teams, Word und Excel mit den Daten, auf die der jeweilige Benutzer Zugriff hat. Eigene Agents bauen Sie mit Copilot Studio; abgerechnet wird in Copilot Credits. Ein Paket mit 25.000 Credits im Monat kostet 173,30 €, nach Verbrauch kostet ein Credit 0,0088 € (Azure-Preisliste). Eine generative Antwort kostet laut Microsoft 2 Credits, eine Agent-Aktion 5 Credits.

Microsoft Foundry, früher Azure AI Foundry, ist die PaaS-Seite: Sie zahlen je Token. Das Modell GPT-5.4 mini kostet in der Bereitstellungsart „Data Zone“ 0,726 € je 1 Mio. Eingabe-Token und 4,3559 € je 1 Mio. Ausgabe-Token (Germany West Central). Liegt die Ressource in der EU, verarbeitet Microsoft die Anfragen in dieser Bereitstellungsart innerhalb seiner EU-Datengrenze, also in Staaten der EU und der EFTA.

Beispiel: 10.000 eingehende E-Mails im Monat sollen automatisch einer Kategorie zugeordnet werden. Rechnung Foundry, angenommen 1.000 Eingabe- und 200 Ausgabe-Token je E-Mail einschließlich der internen Denkschritte des Modells: 10 Mio. × 0,726 € je Mio. + 2 Mio. × 4,3559 € je Mio. = 7,26 € + 8,71 € = 15,97 € im Monat. Rechnung Copilot Studio, angenommen ein autonomer Agent mit zwei Agent-Aktionen je E-Mail (einordnen, ablegen): 2 × 5 = 10 Credits je E-Mail, 100.000 Credits im Monat. Das sind vier Pakete für 693,20 € oder 880,00 € nach Verbrauch. Je nach Aufbau des Agents kann es mehr werden; ein Modell mit erweitertem Denken berechnet Microsoft zusätzlich mit 10 Credits je 1.000 Token.

Copilot Studio enthält Oberfläche, Connectoren, Kanäle wie Teams, Governance und Abrechnung über das Admin Center; manche Dynamics-365-Lizenzen bringen bereits Credits mit. Für Foundry entwickeln Sie selbst: Code, Hosting, Überwachung, Sicherheit, dazu der Ablauf, der die E-Mails an das Modell übergibt. Copilot Studio kann auch ein Modell aus Foundry nutzen; dann rechnet Foundry die Verarbeitung nach Token ab, und Copilot Studio zählt den Aufruf als Agent-Aktion.

SaaS und PaaS kombinieren

Was Anwender täglich bedienen, bleibt in SaaS: Dynamics 365, Power Apps, Copilot. Volumen und schwere Verarbeitung gehören dorthin, wo sie am wenigsten kosten, solange das lizenzrechtlich sauber ist: Audit-Historie und selten gebrauchte Dateien in Blob Storage, nächtliche Massenabgleiche in Logic Apps, die Einordnung tausender E-Mails in Foundry. Entscheiden Sie jeweils nach einer Rechnung mit Ihren Mengen und einer Prüfung der Lizenzregeln.

NXTGN hilft bei der Entscheidung, was in SaaS bleibt und was nach PaaS gehört, und rechnet dafür mit den Zahlen Ihres Mandanten. Ein Beispiel aus unserem eigenen Produkt: NXTGN Capacity Control verlagert das Dataverse-Audit in den Azure Blob Storage des Kunden.

Quellen